Die Hauptdarsteller von „Jim Knopf“ im Interview

„Jim Knopf und der Lokomotivführer“ – die bekannte Geschichte einer unglaublichen Abenteuerreise wird seit dem 28. November auf der Astrid-Lindgren-Bühne im FEZ-Berlin gespielt. Die FEZblogger haben die Hauptdarsteller Annekathrin Bach (Jim Knopf) und Kay Dietrich (Lukas der Lokomotivführer) interviewt, mit ihnen über das Stück, die Schauspielerei und eine besondere Freundschaft gesprochen.

Jim Knopf, Lokomotivführer Lukas und Lok Emma, Foto: Jörg Metzner

Jim Knopf, Lokomotivführer Lukas und Lok Emma, Foto: Jörg Metzner

Kannten Sie die Geschichte von Jim Knopf schon aus Ihrer Kindheit und wie hat sie Ihnen gefallen? 

Annekathrin Bach: Ich kannte sie schon als Kind – sowohl Jim Knopf als auch die Fortsetzung „Jim Knopf und die wilde Dreizehn“. Ich mochte sie sehr und habe mir auch bestimmte Figuren gemerkt, wie zum Beispiel den Riesen Tur Tur. Aber alles, was die Fortsetzung angeht, hatte ich nicht mehr so parat. Aber ich kannte sie, auch das Stück der Augsburger Puppenkiste.

Kay Dietrich: Ich kannte Jim Knopf gar nicht – weder die Augsburger Puppenkiste noch das Buch noch die Fortsetzung. Ich wusste schon, dass es sie gibt. Aber hier habe ich es tatsächlich zum ersten Mal gelesen.

Welche Szene gefällt Ihnen am meisten im Theaterstück?

Annekathrin Bach: Mir macht die Kampfszene sehr Spaß, weil da einfach etwas los ist und weil wir da einmal alle auf der Bühnen sind, wenn wir mit der Lok in See stechen. Das ist meine Lieblingsszene, aber ich merke auch, dass die Kinder auf die Puppen Nepomuk und Mahlzahl reagieren. Diese exotischen Figuren sind richtige Kindermagneten, genauso wie der Pingpong. 

Kay Dietrich: Meine Lieblingsszene ist die Mahlzahn-Szene.

Wie lange haben Sie für das Theaterstück geprobt?

Annekathrin Bach: Im Sommer fünf Wochen und jetzt noch einmal drei Wochen.

Kay Dietrich: Und dann immer fünf Tage die Woche.

Sind die Kostüme denn selbst gemacht?

Annekathrin Bach & Kay Dietrich: Nicht von uns.

Kay Dietrich: Aber Sie sind selbst gemacht – von der Bühnen- und Kostümbildnerin Birgit Schöne.

Was ist das Besondere an einem Kindertheater und was gibt es da beim Spielen zu beachten?

Kay Dietrich: Es gibt kein Kindertheater. Es gibt nur Theater, was nicht für Kinder geeignet ist.

Annekathrin Bach: Ich finde das auch. Es ist ganz angenehm, dass es offensichtlich nicht diesen „Na, seid ihr denn auch alle da?“-Effekt hat. Es gibt ja auch hier die Möglichkeit, Publikum – und das müssen ja nicht nur die Kinder sein – anzuspielen. Aber ich hoffe, dass wir hier niemanden für blöd verkaufen oder Kinder als dumm ansehen. Sie sind zwar weniger theatererfahren, aber es gibt auch viele Erwachsene, denen das so geht.

Kay Dietrich: Ich sage ja nur, dass es insofern kein Kindertheater gibt, weil hier ja auch viele Erwachsene zugucken. Und deswegen glaube ich, dass es kein spezielles Kindertheater gibt. Denn eigentlich muss es so gemacht sein, dass es alle anspricht. Ich glaube nicht, dass man nur eine Zielgruppe denken sollte. Eltern sollten sich hier ja nicht zwei Stunden langweilen. Sie sollen auch Spaß haben.

Annekathrin Bach: Aber wir merken schon, dass wenn zum Beispiel mehr Schulkinder im Publikum sitzen, dass sie bei den Rechenaufgaben von Frau Mahlzahn ganz anders mitmachen als Kitakinder, denen rechnen ja noch gar nichts sagt.

Und was gibt es denn beim Spielen mit den Live-Soundeffekten zu beachten? Geräusche und Musik nehmen ja eine besondere Rolle in der Inszenierung ein.

Kay Dietrich: Also für uns gibt es da weniger zu beachten. Aber wir versuchen schon möglichst klar für den Musiker zu machen, wann eine bestimmte Aktion erfolgt. Denn er bezieht sich ja meist darauf. Man muss sich dann also so verständlich machen und es so gestalten, dass er auch genau sieht, wann er mit dem Ton anfängt. Aber die meisten Effekte selbst macht er von sich aus und wir versuchen dann an den Stellen, an denen es wichtig ist, es im Spiel zu integrieren, die Momente deutlich zu setzen.

Wie sind Sie denn eigentlich zur Schauspielerei gekommen?

Annekathrin Bach: Ich hatte eigentlich schon die klassische Schultheater-AG. Nach der Schule habe ich mir verschiedene Bereiche beim Theater und Fernsehen angeguckt und habe mich dann an Schauspielschulen beworben. Wurde dann irgendwann einmal an einer genommen und habe studiert.

Kay Dietrich: So ähnlich war es bei mir auch. Ich komme eigentlich aus einer Theaterfamilie und wollte daher nie Schauspieler werden. Dann habe ich Musik gemacht und da musste ich auch einmal ein Stück spielen. Da hat man mir gesagt: „Bewirb Dich doch einmal! Du hast Talent!“ Und das habe ich dann auch getan und bin genommen worden.

In dem Theaterstück spielt Freundschaft ja eine zentrale Rolle. Was bedeutet Freundschaft für Sie?

Kay Dietrich: Wahre Freundschaft – das ist gar nicht so einfach… Es gibt einen schönen Satz von Schiller: „Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein…“ Es ist sehr schwer, gute Freunde zu haben. Eigentlich weiß man auch erst nach dreißig Jahren, ob man einen guten Freund hat. Insofern bedeuten Freunde sehr, sehr viel. Aber Freundschaft ist auch etwas, das sich in einem unbestimmten Raum abspielt, weil es mit Vertrauen, Rücksichtnahme und so vielen Dingen zu tun hat, die man gar nicht so einfach benennen kann. Daher ist das Wesentliche, dass man als Freunde viele verschiedene Erfahrungen gemacht hat und dann erst merk: Ist es wirklich ein Freund oder bin ich ein Freund? Auch das gehört dazu. Und wenn man trotzdem noch befreundet ist, dann muss es einen Grund geben. Genauso wie bei der Liebe auch. Das kann man nicht so wirklich beschreiben. Es ist einfach so.

Annekathrin Bach: Ich finde das auch wirklich spannend. Ich habe mich auch schon oft gefragt: Wenn Freundschaften Krisen durchlaufen oder es Trennungen gibt, haben wir für solche Situationen keinen Begriff, anders als bei Liebeskummer. Und es gibt auch kein so gesellschaftliches Verständnis, dass man sich dann am liebsten auch einmal eine Woche heulend ins Bett verkriechen würde. Aber ich finde das eigentlich mindestens genauso schlimm. Außerdem ist es auch ganz interessant, dass sich Schulfreundschaften schon dadurch ausgezeichnet haben, dass man sich täglich gesehen hat und ich merke jetzt, wer aus der Zeit übriggeblieben ist und dass sich Freundschaft mittlerweile dadurch auszeichnet, dass sie Zeit und Ort überdauern kann. Dass man manchmal nach einem Jahr genauso wieder anknüpfen kann. Im Fall von Jim Knopf ist es ja nun eine Freundschaft zwischen einem Erwachsenen und einem Kind. Dabei nimmt Lukas Jim aber auch sehr ernst und als Freund wahr. Das ist wirklich besonders.

Und wie ist das untereinander bei den Schauspielern hier? Gibt es da auch Freundschaften, die entstanden sind?

Kay Dietrich: Wir als Schauspieler verstehen uns sehr gut.

Annekathrin Bach: Emma muss abends leider immer hier bleiben. Die können wir nicht mitnehmen.

Kay Dietrich: Es sei denn, wir bauen ihr noch einen Motor ein. Es wäre schon cool, mit der Lok zur Arbeit zu kommen… Ob wir jetzt aber dicke Freunde fürs Leben sind – das weiß ich nicht.

Annekathrin Bach: Ich glaube, Freundschaft merkt man erst, wenn man sich nicht sieht. Ob man dann aneinander denkt oder Lust verspürt gemeinsam einen Kaffee zu trinken. Gerade sehen wir uns aber jeden Tag.

Wie würden Sie denn die Freundschaft zwischen Emma, Lukas und Jim beschreiben?

Kay Dietrich: Vielleicht fragen wir die Emma am besten einmal selbst. Denn inwieweit sie wirklich freundfähig ist, das würde ich noch einmal hinterfragen wollen. Die Frage ist, inwieweit sie als lebendiges Wesen für das Publikum in Erscheinung tritt. Ich glaube, sie lebt nicht so sehr als Figur auf der Bühne, weil sie ja deutlich von mir bewegt wird und ansonsten macht sie eigentlich nichts weiter. Insofern ist es sehr schwer – zumindest aus unserem Stück heraus – einem Gegenstand gegenüber ein freundschaftliches Gefühl zu entwickeln.

Annekathrin Bach: Ich hatte auch eher das Gefühl, dass es von der Ausgangssituation eine klare Beziehung zwischen Lukas und Emma gibt. Ob man nun soweit gehen will, dass es eine eheähnliche oder eine Mann-Frau-Beziehung ist, das sei dahingestellt. Aber ich finde schon, dass es nun kein Dreier-Freundesgespann ist. Aber bei Jim und Lukas fällt auf, dass es sich von einer väterlichen Vorbild- und aufschauenden Beziehung ziemlich schnell zu einer gleichberechtigten Freundesbeziehung wandelt. Weil Jim sehr klug ist und weil Lukas Jim als gleichwertig wahrnimmt, ihn nicht als Klotz am Bein auf der Reise empfindet oder sich übermäßige Sorgen macht.

Vielen Dank für das Interview!

Dieses Interview führte FEZbloggerin Anna. Bei der Verschriftlichung unterstützten Kevin und Felix.

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